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„Die Wahrnehmung von Frauen in westlichen und muslimischen Gesellschaften“

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INTERNATIONALE AUSSTELLUNG

Schirmfrau:
Frau Nükhet Kivran
Vorsitzende des Ausländerbeirats
der Landeshauptstadt München

Vernissage:  Samstag, den 8. März um 18.30 Uhr

Einführung: Dr. Corina Toledo

Grußwort:   Frau Nükhet Kivran,
Vorsitzende des Ausländerbeirates

Vortrag:   Prof. Dr. Claudia von Werlhof
anschließend Musik und Fingerfood

Ausstellungsort:     Mohr-Villa, Freimann bei 80939                         München, Situlistr. 75
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Finissage:   Samstag, den 4. Mai 2014 um 17.00
Uhr mit der tunesischen Schriftsstellerin
Kaouther Tabai

Begleitprogramm:  Mittwoch, den 26. März:
Bühnenprogram „Kill me, Kate“ mit
Inka Meyer
Begleitprogramm:  Mittwoch, den 9. April:
Filmgespräch in Zusammenarbeit mit der Ludwigs-Maximilians Universität, gezeigt wird der Film „Barbara“

Lesung:   Mittwoch, den 30. April um 19.00
Uhr mit der deutschen Schriftellerin
Cornelia Naumann
Fingerfood + Musik

Ausstellungsdauer:      Vom 17. März bis 4. Mai 2014

Eintritt überall frei!

Um Anmeldung wird gebeten unter
Rita Mascis artista48@gmx.de

Schulen und Gruppen
Für Gruppen und Schulen  können wir auf Anfrage, auch außerhalb der Öffnungszeiten ein Besuchsprogramm vereinbaren.

Eine interdisziplinäre und transkulturelle Kunstausstellung

„Die Wahrnehmung von Frauen
in westlichen und muslimischen Gesellschaften“

– Impulse des politischen Unbehagens –

Als Politikwissenschaftlerin scheint es auf den ersten Blick eine gewagte Herausforderung zu sein, sich mit der bildenden Kunst auseinanderzusetzen. Doch bei näherem Hinsehen ist Kunst schon immer nicht nur eng mit Politik verbunden gewesen, sondern stand oft sogar im Dienst der Politik.
Als ich vor acht Jahren auf Umwegen zur Malerei kam, begann ich ziemlich schnell, den kreativen Prozess als emotionalen Ausdruck – Impulse des politischen Unbehagens – wahrzunehmen. Die Interpretation des politischen Geschehens oder die Reaktionen darauf nahmen zunehmend konkrete Formen an. Begeistert und fasziniert erkannte ich zunehmend die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Malerei, die ich außerdem als ideales Instrument wahrnehme, um Sprachbarrieren zu überwinden.
Angeregt durch die mediale Präsentation und Politdiskurse in Bezug auf die Darstellung von Frauen entstand eine Sammlung von Werken in unterschiedlichen Formaten. Daraus entwickelte sich die Idee, eine Ausstellung zu machen unter dem Titel:

„Die Wahrnehmung von Frauen in westlichen und muslimischen Gesellschaften.“

Damit führe ich als Promovierte und Feministin die Frauenforschung im Kunstbereich fort. Die Idee fanden diverse Künstlerinnen und Künstler aus Südamerika, Europa, Nordafrika und Vorderasien so interessant, dass sie an der Ausstellung mitwirken wollten. So entstand diese internationale Kunstausstellung.
Mein Blick hatte sich auf das weibliche Dasein im Patriarchat der Moderne gerichtet, das heißt auf die Dominanz der Männer im Allgemeinen und auf die Herrschaft einer Handvoll weißer Männer über praktisch alle Lebensbereiche.

Im 20. Jahrhundert schien es so, als sei das Jahrhundert der Frauen angebrochen: In vielen Ländern gelang es den Frauen, sich selbst als kämpferische, denkende und handelnde Subjekte wahrzunehmen und als solche wahrgenommen zu werden. Die mühsam erkämpfte juristische Anerkennung einiger wichtiger Rechte innerhalb der Nationalstaaten erlaubte es immer mehr Frauen auf der Welt, eigene Lebensentwürfe zu entwerfen und diese auch zu leben. Heute ist es de jure möglich, dass Frauen selbst höchste Ämter der männlich konzipierten und etablierten Dominanzstrukturen besetzen. Diese Möglichkeiten haben sich jedoch nicht in eine fundamentale Verbesserung der Lebensumstände einer Mehrheit von Frauen umgesetzt. Im Gegenteil, de facto sind in den letzten Jahrzehnten Rückschritte in der Frauenbewegung festzustellen. Mehr als jemals zuvor ist die Armut weiblich;Prostitution und der damit einhergehende Frauenhandel wie auch private und öffentliche Gewalt gegen Frauen haben zugenommen.

Bei dieser androkratischen Dominanz konstatieren wir, dass in muslimischen Gesellschaften die Frau fast überall strengen religiösen Regeln unterworfen ist: Ihr Körper – als Objekt der Begierde – wird unter einer Verhüllung – Dschilbab, Tschador oder Burka – versteckt. Währenddessen hat „das frauenverachtende westliche Patriarchat (…) seine Tätigkeitsfelder von der Religion auf den Warenmarkt des Kapitals verlagert“, wie die Frauenforscherin Gudrun Nositschka erklärt.
Und dem prägnanten Satz von Frau Prof. Dr. Claudia von Werlhof im vorliegenden Ausstellungskatalog entnehmen wir: „Die muslimische Frau wird als Gebrauchswert, die westliche bereits nur mehr als Tauschwert – als Ware wahrgenommen.“

In diesem Sinne angeregt, haben sich die hier vertretenen Künstlerinnen und Künstler mit kulturellen Wurzeln, Vorurteilen, Traditionen, Ritualen, Massenmedien, Religionen, Diskursen auseinandergesetzt. Sie haben Rolle, Funktion oder Darstellung von Frauen reflektiert, analysiert oder gefühlt. Somit sind in die präsentierten Kunstwerke die individuellen Perspektiven und Ideen, Emotionen und Erfahrungen eingeflossen.

All das Gelebte, Gefühlte oder Gedachte können die BesucherInnen plastisch in Bildern und Skulpturen sehen, wahrnehmen und fühlen. Auch die angebotenen Lesungen mit einer tunesischen und einer deutschen Schriftstellerin sind als auditive Wahrnehmungen dieses künstlerischen Reflexionsprozesses zu verstehen.

Damit wird in dieser internationalen Kunstausstellung wiederum ein anderer wichtiger Aspekt sichtbar: Die Migrationsgeschichte der in München, Bayern, Deutschland und Euro­pa lebenden Künstlerinnen und Künstler, die als denkende und handelnde Subjekte Anstö­ße für einen Bewusstseinswandel, ja gar für eine Erneuerung in dieser Gesellschaft geben.
Die individuelle Persönlichkeit jedes Menschen ist von Werten und Lebensvorstellungen geprägt. Die Teilhabe an solchen gemeinschaftlichen Aktivitäten und Interaktionen fördern die Integration und Partizipation in der neuen Gemeinschaft. So besteht die Möglichkeit, dass jede Person sich – ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Klasse, Rasse oder ihres Alters – entfalten kann. Aus dieser Perspektive folgt das Projekt einem interdisziplinären und transkulturellen Ansatz. In dieser Form gedacht, organisiert und konkretisiert ist so ein Frauenprojekt ein Novum.

Als Autorin und Organisatorin des Kunstprojektes bedanke ich mich ganz besonders bei den Künstlerinnen und Künstlern für ihre Begeisterung, die mich wiederum motivierte, das Projekt voranzutreiben. Ganz herzlich möchte ich auch der Frauenforscherin Prof. Dr. Claudia von Werlhof danken für die Verbindung von Kunst und Politik und dass sie so schnell zusagte, bei der Vernissage einen Vortrag zum Thema zu halten.
Für das entgegengebrachte Vertrauen und die individuelle Unterstützung bedanke ich mich explizit bei:
Frau Nükhet Kivran, unsere Schirmfrau und Vorsitzende des Ausländerbeirats
Frau Christina Eder, Kulturreferat der Landeshauptstadt München
Frau Gabriele Nuß, Gleichstellungsstelle der Landeshauptstadt München
Frau Gudrun Nositschka, Gerda-Weiler-Stiftung, Mechernich
Frau Dr. Julia Schmitt-Thiel, Geschäftsleitung der Mohr-Villa Freimann

Wir Künstlerinnen und Künstler möchten uns nicht zuletzt bedanken bei all den Personen, Institutionen und Organisationen, die uns bei der Konkretisierung der Ausstellung finanziell und personell unterstützt haben. Ein großer Dank geht an Angela Stascheit für die Gestaltung des Ausstellungskatalogs.

Dr. Corina Toledo

 


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