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Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis 2011 geht nach Kolumbien: Preisträger ist der Journalist Hollman Morris

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Quelle: Nürnberger Menschenrechtszentrum

Die Preisverleihung findet am 25. September 2011 im Nürnberger Opernhaus statt. Der Internationale Nürnberger Menschenrechtspreis wird seit 1995 im zweijährigen Turnus durch die Stadt Nürnberg verliehen. Neben Hollman Morris zählen unter anderem Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly zu den Gästen der Preisverleihung.

Hollman Morris – leidenschaftlicher Journalist im Gegenverkehr

Das breite träge Band des Atrato durchzieht den pazifischen Urwald Kolumbiens bis der Fluss schließlich in die Karibik mündet. Er ist die einzige Verkehrsader des ganzen Gebiets, und Ende der neunziger Jahre hatten die paramilitärischen Banden sie durch illegale Kontrollposten gesperrt, die Armee schaute zu. Da entschloss sich der Bischof der Region, zu handeln. Er charterte ein uraltes Holzschiff, das „100 Jahren Einsamkeit“ entsprungen schien, lud Vertreter aller am Fluss gelegenen Gemeinden, dazu ein paar internationale Beobachter und auch die Medien ein, dann legte das Schiff mit den Priestern der Diözese und einer Kapelle an Bord ab zu seiner mehrere Tage und Nächte dauernden Fahrt über den gewaltigen Strom.

Medienvertreter waren keine da, mit einer Ausnahme: der junge Fernsehreporter Hollman Morris hatte ein kleines Motorboot gechartert, mit dem er das große langsame Schiff umkreiste, Filmaufnahmen machte, gelegentlich auch an Bord kam und auf alle Fälle am Abend zur Stelle war, wenn das Schiff an einem der Flussdörfer anlegte, wo die abgeriegelten Einwohner mit großem Jubel die Blockadebrecher erwarteten. Dass das Schiff seine Mission schließlich ohne größere Zwischenfälle beenden konnte, war ohne Zweifel auch der Präsenz dieses einen Reporters zu danken, selbst wenn seine Berichte nur Randnotizen im Sender waren.

Wenig später war auch dieses Fenster in die triste Realität großer Teile des ländlichen Kolumbiens geschlossen. Hollman Morris‘ Reportagen wurden im offiziösen privaten Fernsehen nicht mehr gesendet. Der damals 30-jährige Hollman, der schon fast zehn Jahre im Radio und Fernsehen gearbeitet hatte, wich auf die Zeitung aus. Nicht auf irgendeine, sondern er ging zum „Espectador“, Kolumbiens zweitgrößter Tageszeitung, dem einzigen der großen Blätter, das damals eine kritische Haltung einnahm. Dort gründete Morris eine eigene Redaktionsabteilung „Frieden und Menschenrechte“. Guillermo Cano, der Direktor des Espectador und Nachfahre von Fidel Cano, der die Zeitung 1887 gegründet hatte, wurde 1986 ermordet, drei Jahre später zerstörte ein Bombenanschlag das gesamte Redaktionsgebäude in Bogotá. Guillermo Cano ist für Hollman Morris eines seiner großen Vorbilder, ebenso wie German Castro Caicedo und Gabriel García Márquez, der in den fünfziger Jahren auch für El Espectador gearbeitet hatte.

2001 musste El Espectador schließen. Der politische Druck trieb das Blatt in die Pleite (erst 2008 erschien es wieder), und Hollman Morris in sein erstes Exil. Ein Jahr lang arbeitete Morris nun als Radioreporter in Spanien, dann kehrte er zurück nach Kolumbien. Nach längerer Vorbereitung wagte er 2003 etwas Unerhörtes: er gründete sein eigenes Fernsehprogramm. Der Name sagte ohne Umschweife worum es geht. „Contravía“, „Gegen den Strom“ sollte ein alternatives Medium gegen die am Kommerz orientierten und weitgehend zum Spielball der mächtigen politischen Gruppen gewordenen großen Fernsehsender sein. Über die praktischen, vor allem auch ökonomischen Schwierigkeiten und die politischen Widerstände, auf die ein solches Unternehmen stoßen würde, machten sich Morris und seine engagierten MitstreiterInnen keine Illusionen. Etliche Male musste das halbstündige Programm, das einmal die Woche erscheinen sollte, den Kanal wechseln, und mehrfach musste es aus Mangel an Mitteln vorübergehend aus dem Äther verschwinden, so zuletzt im April 2011. Um ein alternatives Fernsehprogramm zu machen, so lernte Morris, muss man mindestens so viel Zeit ins Fundraising wie in die journalistische Arbeit stecken.

Dabei war Contravía für das von politischer Gewalt in vieler Gestalt gezeichnete Kolumbien ein unentbehrliches Medium. Nur die Kamera von Contravía ist auf die entlegenen Regionen des Landes gerichtet, wo der größte Teil der Morde, Entführungen und Vertreibungen stattfanden, die Kolumbien seit vielen Jahren prägen und die daher für die meisten Medien keine Nachricht mehr sind. Contravía wurde zu einem Scheinwerfer, der die dunklen Ecken der kolumbianischen Realität ausleuchtete. Und was Contravía da ans Licht brachte, war den Verantwortlichen für diese Zustände und denjenigen, die davon profitierten, naturgemäß unangenehm. Während Hollman Morris und Contravía zahlreiche Preise für herausragende journalistische Arbeit erhielten, häuften sich auch die offenen und subtilen Drohungen gegen ihre Arbeit wieder. Der Geheimdienst DAS, der direkt dem Präsidenten unterstellt ist, begann eine systematische Kampagne, um kritische Journalisten auszuschalten.

Dabei war fast jedes Mittel recht. 2009 fand ein Staatsanwalt interne Anweisungen des DAS zur Ausschaltung missliebiger Journalisten und Menschenrechtsverteidiger. Darin fanden sich detaillierte Vorgehensweisen zur Diffamierung und Terrorisierung verschiedener Personen. Wie man eine Todesdrohung möglichst effektiv gestaltet (z.B. gegen die Familienangehörigen), wurde darin ebenso beschrieben wie Sabotageakte gegen unliebsame Richter oder Techniken der Rufschädigung. Für Hollman Morris wurde u.a. vorgeschlagen, ein falsches Videoband zu produzieren, in dem er als Gehilfe der Guerilla erscheint, falsche Presseerklärungen zu verbreiten und über Regierungskontakte zu versuchen, seine Visa für Auslandsreisen zu widerrufen.

Gleichzeitig war der Geheimdienst DAS aber mit dem Personenschutz für Hollman Morris und seine Familie beauftragt, eine Maßnahme, zu der die kolumbianische Regierung von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission verpflichtet worden war. Als Morris von der Verschwörung des DAS gegen ihn erfuhr, musste er feststellen, dass dieser „Schutz“ zugleich der systematischen Bespitzelung seiner Arbeit und seiner Kontakte diente. Die Todesdrohungen ließen nicht nach, ja sie wurden direkter und bezogen auch Frau und Kinder ein. Zugleich bezeichnete der damalige Präsident Uribe Hollman Morris mehrfach öffentlich als Gehilfen des Terrorismus. So entschloss sich die Familie, die Gelegenheit des hoch angesehenen Stipendiums als Nieman Fellow an der Harvard University anzunehmen. Dort konnte sich die Familie von dem jahrelangen Psychoterror in Kolumbien erholen, und der Journalist Hollman nutzte die Gelegenheit zu intensiver fachlicher Fortbildung. Nach dem Ende der Fellowship in Harvard hat er einen Forschungsauftrag am National Endowment for Democracy in Washington übernommen.

Sein Engagement für die Menschenrechte und die Pressefreiheit, sein Bemühen, den Blick auf die vom Fortschritt Ausgeschlossenen und die Opfer gewaltsamer politischer Unterdrückung zu richten, hat Hollman Morris darüber keineswegs aufgegeben. Auch von seinem vorübergehenden Refugium in den USA ist er täglich mit den in Kolumbien arbeitenden KollegInnen verbunden, um einer anderen Sicht auf die Probleme seines Landes, einer „Contravía“ zum publizistischen Mainstream Raum zu schaffen.

Im Rahmen der Verleihung des Internationalen Nürnberger Menshenrechtspreises am 25. September an Hollman Morris ,finden jeweils in der Woche davor und danach weitere interessante Veranstaltungen wie eine Podiumsdiskussion zu Kolumbien, die Nürnberger Friedenstafel, eine internationale Konferenz zum Thema Presse- und Meinungsfreiheit und das Internationale Filmfestival der Menschenrechte in Nürnberg statt.


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