Lateinamerikawoche – Mexiko – Ein Land als Mauer

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Mexiko als Teil der Abschottungs- und Abschiebemaschinerie der USA

In Mexiko steht die Welt Kopf. Schon längst nicht mehr ist es möglich klar zu unterscheiden, welche Akteure sich auf Seiten des Staates oder auf Seiten des organisierten Verbrechens befinden. Kategorien wie Rechtsstaatlichkeit oder Gewaltmonopol verlieren ihre Konturen, lösen sich auf und müssen neu ausbuchstabiert werden. Im Zuge einer todbringenden Gewalt werden immer öfter die Menschen selbst als Objekt einer ökonomischen Gewinnmaximierung gesehen. Das Verschwindenlassen von jährlich mehreren tausend Migrant*innen ist ein trauriges Zeugnis davon – das Land selbst verkam in den letzten Jahren immer mehr zu einer ganz eigenen Mauer, die das Migrieren in die USA in eine tödliche Herausforderung verwandelt. Dabei sind die konkreten Ausmaße nur zu erahnen: staatliche Organismen gehen weder einer kontinuierlichen Beobachtung dazu nach, noch ist es für eine journalistische Berichterstattung und Recherche eine Angelegenheit ohne Risiken. Vor allem dann, wenn Mexiko in der westlichen Hemisphäre als das gefährlichste Land für den Journalismus gilt.

Timo Dorsch lebte mehrere Jahre in Mexiko-Stadt und war dort mitunter als freier Journalist für deutsche und mexikanische Medien tätig. Zuletzt arbeitete er als redaktioneller Betreuer an der deutschen Buchversion des Fotobandes „Der Kreis. Aufzeichnungen einer Migration“, welches Ende 2017 erschien und von der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausgegeben wurde. Die letzten zwei Jahre forschte er über die Verstrickung zwischen legaler Ökonomie, mexikanischen staatlichen Strukturen und organisiertem Verbrechen anhand der Bergbau- und Avocadoökonomie im Westen des Landes.


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